Raphael in Tani III

Seit meinem letzten Bericht ist wieder eine erlebnisreiche Zeit vergangen und ich bin in fast zwei Monaten schon wieder zu Hause.
In dieser Zeit habe ich Kambodscha um einiges besser kennengelernt. Zum einen gibt es aus dem Kinderdorf wieder viele Neuigkeiten und zum anderen hatte ich einen super Kambodscha Urlaub mit meiner Freundin – im Urlaub habe ich leider auch die negativen Seiten Kambodschas zu spüren bekommen, dazu später mehr.

Ich möchte mich nochmals recht herzlich bei euch für den Rundenlauf bedanken!!! Das war ja der absoulte Wahsinn. Ich hätte euch gerne etwas mehr unterstützt! Die Überraschung war riesig als ich das Ergebnis sah! Einfach nur super!!! Vielen, vielen Dank für diese tolle Unterstützung!

Mitte Juni habe ich einen Elektroworkshop für die Arbeiter und die größeren Burschen vorbereitet und dann auch gemacht. Zuerst habe ich ein Handbuch für alle zusammen gestellt, damit sie auch später nachlesen können, wenn sie etwas nicht mehr genau wissen.
Das Handbuch ist ganz allgemein gehalten und behandelt Fragen wie: Was ist Strom und Spannung? Wie verwendet man ein Multimeter und wie misst man damit? Wie wählt man den richtigen Leitungsquerschnitt und die richtigen Sicherungen? Wie baut man einen einfachen Hausverteiler auf? Was für Installationsschaltungen gibt es?
In Tani hat dann ein Übersetzer das Handbuch von Englisch auf Khmer übersetzt.
Nach einigen Theoriestunden kamen dann die praktischen Übungen. Dazu habe ich ein Übungsboard aufgebaut, auf dem wir dann verschiedene Schaltungen aufgebaut und das Multimeter zur Überprüfung verwendet haben.
Alle waren sehr interessiert und haben auch nach den Stunden noch über verschiedene Themen diskutiert. Immer wenn eine „elektrische Arbeit“ ansteht, wollen die Bursch dabei sein, um mir zu helfen und das Gelernte anwenden können.

Ende Juni sind Miriam (Volontärin), Bunthol (Leiter des Kinderdorfs), zwei Kinder und ich die Großmütter der zwei Kinder besuchen gefahren. Eine der Großmütter wohnt ganz gut bei einer anderen bekannten Familie. Diese Familie kümmert sich sehr gut um die Großmutter. Wobei die andere Großmutter sehr arm lebt. Sie hat nur ein kleines Haus aus eigen geflochtenen Palmblättern und ein altes rostzerfressenes Dach. Jeder Kambodschaner hat vor seinem Haus eine Art Liege – auch diese war in einem sehr schlechten Zustand.
Wir haben uns dann dazu entschlossen ihr zu helfen, indem wir ihr ein neues Dach und die Reperatur finanzierten und auch die Arbeit machten.
Wir haben dann das ganze Material besorgt und sind zu ihr gefahren. Zuerst wurde das alte Dach runtergenommen und die neuen Bleche montiert. Danach haben wir das Bett repariert. Es ging sehr rasch, da uns auch einige der Nachbarn geholfen haben.
In naher Zukunft werden wir ihr noch ein kleines Klohäuschen dazubauen.

Anfang Juni haben dann Miriam (Volontärin) und ich eine Woche lang mit den Kindern verschiedene Spiele gespielt. Das ganze war wie ein Wettbewerb aufgebaut bei dem man verschiedene Sachpreise gewinnen konnte. Dazu haben wir die Kinder in verschiedene Gruppen eingeteilt. In den Gruppen gab es dann dem Alter entsprechende Spiele. Bei den kleineren waren es eher Spiele, wie Sackhüpfen, Ball an die Wand und Eierlauf, wobei die größeren unter anderem Volleyball, Federball und Radrennen hatten.
Am Ende der Woche gad es eine große Siegerehrung, bei der alle eine Urkunde bekamen. Die Plätze eins bis drei jeder Gruppe bekamen Sachpreise wie MP3-Player, Spiele, etc. Alle waren immer voll motiviert, was uns natürlich sehr freute.

Dann kam auch schon der große Container aus Österreich. Die Organisation eines LKWs vom Hafen in Sihanoukville nach Tani stellte sich auch als eine eigene Herausforderung heraus. Jedoch regelte Bunthol das alles so super, dass es zu keinen Problemen kam.
Am 15. Juli war er dann endlich in Tani – jedoch nicht im Kinderdorf, sondern auf der Straße zum Kinderdorf, da der LKW mit dem Container zu groß für unsere Straße war. Danach machten wir uns sofort an das Entladen und Verstauen des ganzen Materials.
In großen Holzkisten war sehr viel Stoff und Kleidung, das dann die Hausmütter gleich verstauten. Zudem haben wir sehr viele Nähmaschinen bekommen – hier möchte ich mich noch bei einer Altpfadi bedanken, die eine Nähmaschine an mich addressiert hat. Leider kann ich nicht nähen und habe die Nähmaschine an die Kinder weitergeleitet – die können das super!
Es war auch sehr viel Material für das neue Haus dabei – Gartenmöbel, Leuchten, Stühle, Türen, etc.
Was die Kinder sehr begeisterte waren die ganzen, unter anderem auch neue, Fahrräder. Jeder rannte gleich zu den Fahrrädern und wollte eines aussuchen – mittlerweile haben wir schon einige der Fahrräder verteilt. Der nächste Zivildiener ist ein „Radprofi“, der dann alle Fahrräder unter die Lupe nehmen wird und Reperaturen übernehmen wird.
Mein Geschenk war eine Solaranlage, mit der ich dann gleich darauf mit dem Aufbau begonnen habe. Noch ist nicht alles fertig installiert, aber in ein paar Wochen sollte dann alles fertig sein und wir verwenden Solarstrom im Kinderdorf und sparen uns somit die hohen Strompreise Kambodschas.

Im August kam dann endlich der langersehnte Urlaub mit Trinidad durch Kambodscha. Wir starteten in Phnom Penh und sind dann am nächsten Tag gleich weiter nach Battambang – eine kleine ruhige Provinzhaupstadt im Norden Kambodschas, fast an der Grenze zu Thailand. Von dort sind wir dann weiter nach Siem Reap.
In Sieam Reap waren wir im Cambodian Culture Village. In diesem Museum kann man alle kulturellen Aspekte Kambodschas sehen. Von Buddhismus zur Angkor Zeit zum Islam in Kambodscha. Zudem gibt es dort auch Miniaturnachbildungen von allen wichtigen Gebäuden und Anlagen Kambodschas. Dort waren wir relativ lange, da das ganze Gelände recht groß ist.
Am nächsten morgen sind wir dann nach Angkor! WOW! Angkor ist einfach nur mächtig! Ein Wahsinn, was die Menschheit dort erschaffen hat. Am ersten Tag waren wir beim berühmteste aller Tempel : Angkor Wat. Extrem steile Stufen und ein unglaubliches Bauwerk. Am nächsten Tag haben wir dann noch einige Tempel in Angkor Thom angesehen.
Nach Sieam Reap gings dann nach Sihanoukville ganz in den Süden Kambodschas. Dort geschah dann das Unglück, dass man uns die Tasche am Strand geraubt hat mit allen Karten, Geld und Kamera. Dann erstmal zur Polizei – natürlich muss man dort zuerst mal bezahlen, damit der Polizist einen Stift in die Hand nimmt und bis heute haben wir noch keine Verlustanzeige bekommen.
Daraufhin haben wir uns entschieden, dass wir drei Tage nach Koh Rong, auf eine Insel vor Sihanoukville gehen. Dort war es einfach nur wunderschön – weißer Sandstrand, türkises Meer. Einfach unglaublich. Mit der Fähre sind wir dann wieder zurück nach Sihanoukville und dann mit dem Taxi nach Tani.
Der Urlaub war trotz des Zwischenfalls super und ich habe andere Regionen Kambodschas gesehen. Im Hotel waren immer alle total begeistert, dass ich ein bisschen Khmer mit ihnen geredet habe – das war immer so lustig, wie die Kambodschaner reagierten, als sie hörten, dass ich etwas Khmer spreche.

Im Moment ist Karl Meyer hier. Er ist über SES zu uns gekommen. SES (Senioren Experten Service) ist eine NGO aus Deutschland die immer wieder Senioren aus Deutschland in verschiedene Gebiete schickt um dort zu helfen.
Karl hat in Deutschland eine eigene Installationsfirma. Er kümmert sich jetzt bei uns drei Wochen lang um die Verbesserung des Abwassersystems und um die Renovierung einiger Sanitäranlagen.
Unsere Arbeiter arbeiten wirklich super und sind so froh, dass sie von Karl viel neues lernen können.
Bei den Fotos sieht man eh einige der Arbeiten von Karl.

Der letzte Bericht werde ich dann Mitte November online stellen – wahrscheinlich habe ich euch dann eh schon gesehen. Ich freue mich schon so darauf euch alle wieder zu sehen und mit euch im Clubraum zu sitzen. Ich lese immer wieder alte Mampfla Ausgaben und bin sehr oft auf der Pfadi Homepage. Langsam wirds wieder Zeit, dass ich zu euch komme.

Gut Pfad!
und viele liebe Grüße aus Tani
Raphael


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