Raphael in Tani II

Ich habe wieder viele neue Erfahrungen gemacht. Nun bin ich schon ein halbes Jahr da und habe somit Halbzeit hier in Tani. Die Zeit hier vergeht wie im Flug. Es kommt mir vor als ob ich erst ein paar Wochen hier wäre.

Nach meinem ersten Bericht bin ich mit der Volontärin Miriam, die auch hier im Kinderdorf arbeitet, nach Laos gefahren.
Bevor wir nach Laos sind, haben wir uns einen Tag lang den umstrittenen Tempel „Preah Vihear“ angeschaut. Schon seit Jahren streiten sich Kambodscha und Thailand um diese Tempelanlage. Da diese Anlage direkt an der Grenze zu Thailand ist, behauptet Thailand, dass diese Tempelanlage noch zu Thailand gehört.
Trotz den vielen Waffenschächten und Soldaten ist die Tempelanlage einer der beeindruckensten Komplexe die ich je gesehen habe.
Nun freue mich umso mehr auf Angkor, das ich im August mit meiner Freundin bereisen werde.

Danach sind wir mit einem Auto nach Stung Treng (die letzte größere Stadt in Kambodscha zur Grenze zu Laos), haben den Mekong mit einer Fähre überquert und sind dann mit dem Bus nach Pakse in Laos. Da gerade zu dieser Zeit ein hochrangiger Mönch in Laos gestorben ist, war Pakse total voll und wir konnten kein Guesthouse oder Hotel mehr finden. Zwei Kambodschanern, einem Japanern und drei Schwedinnen erging es gleich und wir campierten gemeinsam in einem Park in Pakse.
Am nächsten Tag sind wir weiter in die Haupstadt von Laos, Vientiane.
Mir gefiel die Stadt sehr gut. Sie ist zwar klein, aber hat unglaubliche Pagoden und Tempel. Zudem liegt die Stadt direkt am Mekong. Dort haben wir uns dann in einem kleinen Reisebüro die Reise nach Vang Vieng gesichert.
Vang Vieng ist unbeschreiblich. Die Landschaft wie in einem Bilderbuch. WOW!
In Vang Vieng haben wir uns ein Moped ausgeliehen und sind etwas umher gefahren. Unter anderem auch in den Dschungel um einen faszinierenden Wasserfall anzusehen.
Nach drei Tagen in Vang Vieng sind wir dann wieder zurück nach Vientiane und dann mit einem Nachtbus nach Phnom Penh.

Laos hat mir wirklich sehr gut gefallen. Wenn man schon längere Zeit hier ist, fängt man an die Länder der Region zu vergleichen. Wir beide haben festgestellt, dass Laos infrastrukturtechnisch schon weiterentwickelt ist als Kambodscha. Zum Beispiel hatten wir niemals Stromausfall in Laos, das passiert an den wenigsten Tagen in Kambodscha. Was ein krasser Unterschied ist, ist dass es öffentliche Verkehrsmittel in Vientiane gibt. In Kambodscha gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel.

Laos ist auf jeden Fall nur zu empfehlen! Das Land ist wunderschön und die Leute sehr nett! Die Sprache ist ähnlich wie Khmer, jedoch verstand kein Laote, wenn wir Khmer etwas fragten. Wir versuchten es immer wieder mit Englisch und Khmer – meistens ist es auf Gestik ausgelaufen :D

Im Kinderdorf ist auch einiges voran gegangen. Seit Beginn hat mich das Müllproblem in Kambodscha schon etwas gestört. Nun haben wir überall im Kinderdorf Müllkübel für Bio-, Kunststoff- und Metall und Glas Müll aufgestellt. Zudem habe ich kleine Boxen für die Batterien gemacht. Die Batterien wurden zuvor einfach ins Feuer geworfen, wie es hier in Kambodscha üblich ist.
Kurz vor der Regenzeit, also Ende April, haben wir eine kleine Überdachung für unsere Holzkohle gemacht und den alten Platz gesäubert. Zuvor lag die Kohle immer im Regen und die Hausmütter hatten Probleme beim Kochen. Das müsste nun gelöst sein ;)
Mit den Kindern war ich einige Male laufen. Den Höhepunkt hatten wir Ende Mai, als wir auf einen der „Hausberge“ von Tani gewandert sind. Wir haben ein lebendiges Huhn mitgenommen, dass dann geschlachtet wurde. Zudem haben wir noch etwas Fleisch, Saucen und Gewürze mitgenommen. Das Feuer zum Kochen haben wir natürlich mit einem Funkenstein gemacht. Sie zeigten mir dann eine super Technik um das Fleisch und die Hühnerstücke zu grillen. Auf den Fotos müsste man es eh ganz gut erkennen :)
Nachdem Essen sind wir dann ganz nach oben auf den Berg, wo wir einen super Ausblick genossen.

In meiner Freizeit war ich wieder ein paar Mal jagen mit den Arbeitern des Kinderdorfs. Mit einem Arbeiter gingen wir auf Hasenjagd. Er zeigte mir eine faszinierende Technik um die Hasen zu fangen. Mittlerweile hat er schon über fünf Hasen gefangen. Er lädt mich dann immer zum Essen ein, wenn er wieder einen gefangen hat.
Mit einem anderen Arbeiter aus dem Kinderdorf haben wir Anfang Mai eine ca. 1,40m lange Giftschlange gefangen und dann auch gleich verspeist. Das sind Erfahrungen, die ich nie wieder vergessen werde :)

Ein weiters wichtiges Event in Tani war Khmer Neujahr Mitte April. Fast alle Kinder sind zu ihren Verwandten gegangen. Für die Kinder, die im Kinderdorf geblieben sind, haben sich zwei Hausmütter gekümmert. Wir, also die Volontärin Miriam und ich, sind dann eigentlich jeden Tag zur Pagode mit den Kindern. Dort versammeln sich alle und es wird gebetet und gefeiert. Die Kinder hatten eine Riesenfreude bei der Pagode und sie haben immer gefragt, wann wir denn wieder zur Pagode gehen.

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick in mein Leben in Tani geben konnte. Auf jeden Fall freue ich mich schon wieder riesig auf euch alle! :)

Viele liebe Grüße aus Tani
Gut Pfad
Raphael

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